In den Medien: „Die Wasserkraft wird die umweltfreundlichste Speicherlösung des nächsten Jahrzehnts sein“ — Quelle: Agefi

ENERGIE. Anlagen und Infrastruktur, die für die Versorgung der Schweiz entscheidend sind, sollen auch von Schweizer Investoren kontrolliert werden, so Roland Dörig, Mitgründer von EIP.

Christian Affolter, ursprünglich von Agefi am 13. Januar 2021 auf Französisch veröffentlicht.
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Energy Infrastructure Partners (EIP) hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten privaten Akteure im Energie- und Strombereich in der Schweiz entwickelt. Das Unternehmen zählt auch in Europa zu den grössten Investoren in erneuerbare Energien, mit Beteiligungen an vier der zehn grössten Windparks. Seit der Unabhängigkeit von der Credit Suisse Ende letzten Jahres verfügt das Unternehmen über eine eigene FINMA Lizenz und ist deutlich präsenter geworden.

EIP verwaltet im Auftrag seiner institutionellen Kunden, insbesondere von Schweizer Pensionskassen, unter anderem Beteiligungen an dem zweitgrössten Schweizer Stromkonzern Alpiq, dem Betreiber des Schweizer Stromübertragungsnetzes Swissgrid und der Betreibergesellschaft der Gaspipeline durch die Schweiz, Transitgas. Die Rolle dieses Sektorspezialisten, der im Auftrag von rund 180 Pensionskassen rund 3 Milliarden CHF, davon rund 1,7 Milliarden CHF in der Schweiz, verwaltet, beschränkt sich längst nicht mehr auf die Perspektive eines reinen Finanzinvestors. Managing Partner und Mitgründer Roland Dörig stellt strategische Schwerpunkte vor, die auch politische Entscheidungen beeinflussen sollten.

Wie ist es EIP gelungen, so schnell zu einem europäischen Akteur im Energiebereich zu werden?
Unser Ansatz deckt gleichzeitig zwei Themen ab, die bei institutionellen Anlegern im Trend liegen. Erstens: Im Bereich Energie stehen wir für eine umweltfreundliche, kostengünstige und sichere Versorgung. Zweitens: Infrastruktur etabliert sich zunehmend als Anlageklasse. Geholfen hat auch, dass wir uns von Anfang an auf den Energiebereich spezialisiert haben.

Sind Sie auch der Meinung, dass Ihre Rolle nun über die eines reinen Finanzinvestors hinausgeht?
Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir nur der treuhänderische Verwalter des Kapitals von Schweizer Pensionskassen sind. Auf diese Weise investieren die Menschen in unserem Land in ihre eigene Infrastruktur und Versorgung. Es ist die Bevölkerung in der Schweiz, die vom wirtschaftlichen Nutzen profitiert. Die gute Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand ist zentral für unsere Aktivitäten in der Schweiz. Im Gegensatz zu Finanzinvestoren, die einen durchschnittlichen Anlagehorizont von 3 bis 4 Jahren haben, verpflichten wir uns fast für die Ewigkeit. Die Zielsetzung ist, langfristig stabile Cashflows für die Menschen in der Schweiz zu generieren.

Wollen Sie damit andeuten, dass Sie das 2014 vom damaligen Waadtländer Staatsratspräsidenten Pierre-Yves Maillard Postulat befürworten, wonach strategische Anlagen für die Stromversorgung in Schweizer Händen bleiben müssen?
Bei diesem Punkt sind wir auf der gleichen Wellenlänge. Die Schweizer Bevölkerung muss die strategischen Anlagen kontrollieren, da die Interessen der Eigentümer mit denen der Begünstigten übereinstimmen müssen. Dies ist also nicht nur eine Frage des Schutzes unseres Volksvermögens, sondern ein ganz wichtiger Aspekt für uns.

So wichtig, um in Alpiq zu investieren, den grössten Schweizer Stromversorger, dem es aber an Rentabilität mangelt?
Alpiq hat eine wirtschaftlich schwierige Zeit hinter sich, da stimme ich Ihnen zu. Doch der Transformationsprozess hat begonnen. Vor allem ist es uns gelungen, unseren Pensionskassen Zugang zu einem der grössten Wasserkraftportfolios der Schweiz zu ermöglichen, indem wir die Anteile der französischen EDF (Electricité de France) gekauft haben.  Ich bin sehr zufrieden mit der guten Zusammenarbeit zwischen den drei Hauptaktionären (Schweizer Kraftwerksbeteiligungs AG unter dem Vorsitz von Roland Dörig, EOS und dem Konsortium der Kleinaktionäre, die jeweils ein Drittel halten). Die Interessen aller gehen in die gleiche Richtung und wir ergänzen uns gut. EIP bringt seine Expertise in den Bereichen Energie und Finanzen ein. Das war ein wichtiger Schritt, angesichts der Schwierigkeiten, die vor uns lagen. Mit Antje Kanngiesser wurde ein neuer CEO ernannt. Wir sind uns der Bedeutung dieses Unternehmens und seiner Anlagen für die Stromversorgung des Landes voll bewusst. Dies ist ein Projekt, das gut voranschreitet.

Heute ist Alpiq vor allem im Bereich der Grosswasserkraftwerke tätig. Welche Rolle spielen diese?
Die Wasserkraft ist ein zentraler Pfeiler für eine flexible, dekarbonisierte Stromversorgung der Schweiz. Wir haben kein Öl. Die natürliche Ressource der Schweiz sind die Berge. Deshalb unterstützen wir diese Form der Stromerzeugung, die Instand gehalten und entwickelt werden muss. Das bedeutet, dass wir das Potenzial für Kapazitätserweiterungen ausschöpfen müssen, aber auch das bestehend Portfolio, ein wahres Juwel, unterhalten müssen. Wir müssen sicherstellen, dass die notwendigen Investitionen zur Erreichung dieser Zielsetzungen, getätigt werden.

Sind in diesem Zusammenhang Engagements in Form von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) möglich?
Wir handeln nie allein, sondern immer in Partnerschaft mit Behörden und Stromversorgern, um den Kapitalbedarf zur Sicherstellung der Versorgung zu decken. Mit unserem grossen Wasserkraftportfolio und dem Übertragungsnetz sind wir an kritischen Elementen der Versorgung beteiligt. Aus diesem Grund investieren wir nur in Kleinwasserkraftwerke, wenn diese in einem Portfolio zusammengefasst sind.

Sie könnten sich auch an einem Wasserkraftprojekt von Axpo, einem weiteren grossen Schweizer Stromproduzenten, beteiligen.
Wir sind an allen Projekten im Bereich der Wasserkraft und allen anderen Anlagen im Bereich Energieinfrastruktur interessiert, die für die Versorgungssicherheit relevant sind.

Verkennen die politischen Rahmenbedingungen nicht die Bedeutung der Wasserkraft, insbesondere als Speicherlösung im Vergleich zu Batterien?
Das sehen wir auch so. Grosse Wasserkraftwerke sollten den ihnen gebührenden Platz in der Politik erhalten. Die Wasserkraft wird im nächsten Jahrzehnt die grösste, sicherste und umweltfreundlichste Speicherlösung sein, nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa. Wir werden nur dann bereit sein, in batteriegestützte Lösungen zu investieren, wenn die Batterietechnologie einen Quantensprung nach vorne macht.

Setzen Sie sich für die politische Anerkennung der Wasserkraft ein?
Wir haben eine grosse Verantwortung gegenüber unseren Investoren. Unsere Spezialisierung auf den Energiesektor macht die genaue Verfolgung der politischen Rahmenbedingungen erforderlich. Wir haben ein Team, das sich auf die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen fokussiert. Die Interessen unserer Kunden, der Schweizer Pensionskassen, sollen auch auf politischer Ebene vertreten sein. Diese Rahmenbedingungen stellen einen grossen Risikofaktor dar. Daher brauchen wir Bedingungen, die langfristig realistisch und verlässlich sind.

Die vollständige Öffnung des Strommarktes steht wieder auf der Tagesordnung. Was halten Sie davon?
Als Beobachter sehe ich, dass der politische Prozess schwierig ist. Wichtig ist für uns, dass diese Öffnung mit Bedingungen einhergehen muss, die eine nachhaltige, kostengünstige, sichere und umweltfreundliche Energieversorgung sicherstellen.

Ist ein Abkommen mit der EU, für das sich Swissgrid massgeblich einsetzt, eine wichtige Rahmenbedingung?
Unser Stromübertragungsnetz ist mit ganz Europa verbunden, sowohl physisch als auch wirtschaftlich. Es ist nur natürlich, dass wir gemeinsame Regeln aufstellen sollten. Für die Versorgung der Schweiz mit Strom, die für uns sehr wichtig ist, muss die Funktionsfähigkeit der Netzverbindungen gewährleistet sein.

Glauben Sie, dass die Preise auf dem europäischen Strommarkt steigen werden?
Es gibt Studien, die Preisvorhersagen machen und die Nachfrage modellieren. Sie geben einen Trend für das nächste Jahrzehnt vor. Für jedes Kraftwerk in Europa ist das Datum seines Ausstiegs aus dem Netz bekannt. Darüber hinaus werden Elektromobilität und Wärmepumpen zusätzliche Nachfrage erzeugen. Selbst wenn der Verbrauch nur stabil bliebe, ist der Trend bei den Strom- und Energiepreisen klar nach oben gerichtet.

Sie haben auch eine Beteiligung an Transitgas. Ist Gas nicht eine weitere Energiequelle, die das Bundesamt für Energie etwas vergessen hat?
Nein, die Bundesbehörden sind sich der verschiedenen Szenarien für die Schweiz durchaus bewusst. Und diese Pipeline, die von Norden nach Süden durch die Schweiz verläuft und seit kurzem in beide Richtungen geht, ist ein politischer Geniestreich der Schweiz. Sie hat die Europäer, die Frankreich als Alternative ins Auge gefasst hatte, davon überzeugt, dass die aktuelle Route die beste Lösung ist. Diese Pipeline ist eine riesige Chance für die Schweiz. Sie gewährleistet eine sichere, kostengünstige und möglichst umweltfreundliche Versorgung. Schauen Sie sich die Proportionen an: 80-90 % des in der Schweiz verbrauchten Gases läuft durch diese Leitung, aber 90 % ihrer Kapazität wird genutzt, um Deutschland und Frankreich mit Italien zu verbinden, insbesondere mit Norditalien.

Was denken Sie über das Verhältnis zwischen Gas und Strom?
Im europäischen Kontext spielt Gas eine sehr wichtige Rolle bei der Stromerzeugung. Ein Ausstieg aus der Kohle bedeutet, dass Gas als Übergangstechnologie an Bedeutung gewinnt. Die Versorgung muss auch sichergestellt werden, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Speicherlösungen, wie z.B. Power-to-Gas, sind eher ein Thema für unsere Portfoliounternehmen. Wir ziehen es vor, in bewährte Technologien zu investieren. Risikokapital ist nicht Teil unseres Mandats.

Sie haben gerade erneuerbare Energien erwähnt. Die Investitionen von EIP in diesem Bereich erfolgen hauptsächlich im Ausland. Warum ist das so?
EIP ist einer der drei grössten privaten Investoren in Windparks. Der grösste Windpark Europas, Fosen Vind in Norwegen, wurde gerade fertiggestellt. Unsere Investoren sind daran mit 40% beteiligt. In Schweden und Finnland arbeiten wir mit führenden regionalen Partnern zusammen. Unser Prinzip ist es, dort zu investieren, wo diese Technologien grundlegend relevant sind. In diesen nördlichen Regionen gibt es pro Jahr 3.000 bis 4.000 Stunden Wind mit voller Leistung. Die Schweiz hingegen verfügt nur über Viertel dieser Leistung und nicht über den nötigen Platz, um Anlagen dieser Grössenordnung zu bauen.

Wie bewerten Sie Projekte oder Anlagen?
Wir schauen, welche Projekte am besten zu den Bedingungen in den Ländern passen, in denen wir tätig sind. Unser Ziel ist es, qualitativ hochwertige Investitionen innerhalb eines angemessenen Zeitraums zu tätigen. Um unsere Kriterien zu erfüllen, muss eine Anlage ohne Subventionen profitabel sein. Subventionen sind am Anfang eine willkommene Hilfe, aber wirtschaftliche Unabhängigkeit muss das Ziel sein. Wir streben Investitionen bis zum Ende der Lebensdauer der Anlagen an. In diesem Zusammenhang bevorzugen wir langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs) mit Stromverteilern oder Rechenzentren. Das Interesse dieser Unternehmen zeigt die Relevanz eines Projektes.

Ist die Schweiz nicht für Solar- oder Windenergie geeignet?
Doch, gerade die Solarenergie ist auch für die Schweiz ein Thema. Übrigens ist die BayWa r.e., ein globales Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, an der wir im Dezember für unsere Kunden einen Anteil von 49 Prozent erworben haben, auch der mit Abstand wichtigste Importeur von Solarpanels in der Schweiz. Wir können direkt oder über unsere Portfoliounternehmen in Solaranlagen investieren.

EIP in Zahlen
Rund 180 Pensionskassen in der ganzen Schweiz haben einen Teil ihres Vermögens Energy Infrastructure Partners (EIP) anvertraut. Die erste Investition von EIP erfolgte 2014 in Swissgrid in Höhe von CHF 50 Mio. Seitdem ist das Portfolio auf mehr als CHF 1 Milliarde in der Schweiz und auf mehr als CHF 3 Milliarden insgesamt angewachsen. Die in Zürich ansässige und von der Finma regulierte EIP ist seit Ende 2020 von der Credit Suisse unabhängig und beschäftigt 40 Mitarbeiter.